Was ist Mentales Training?

Was ist Mentales Training?



Permanent laufen im menschlichen Geist Prozesse ab, wie sie auch im mentalen Training genutzt werden: Vorstellungen werden zu Bildern, die unser Handeln bestimmen. Dies geschieht jedoch zumeist unbewusst und unkontrolliert, und wirkt manchmal kontraproduktiv – wenn die Gedanken nur um Unsicherheiten, Ängste und Versagen kreisen, blockiert man sich selbst und kann seine Ziele nicht positiv und lösungsorientiert anvisieren. Gedankenbilder haben die Tendenz, sich zu verwirklichen – im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Es gäbe nichts von Menschen Erschaffenes, wenn am Anfang nicht ein Gedanke daran gewesen wäre. Auch bei vielen positiven Dingen, die in unserem Leben geschehen, sind wir eher bereit zu behaupten, sie seien geschehen, weil wir uns dies oder jenes genauso vorgestellt hätten. Bei den negativen Ereignissen sind Menschen eher geneigt, die Verantwortung für deren Auftreten abzugeben.

Das Mentale Training ist kein simples Lernprogramm, bei dem man Kopf und Verhalten nach fremden Vorstellungen programmiert, sondern es ist ein Training für Geist und Körper. Mentales Training richtig praktiziert besteht aus Entspannungsübungen und Übungen zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit. Man lernt, Wunsch- und Zielvorstellungen in klaren Bildern, die man (auch) nachfühlen kann, zu sammeln und zu bündeln. Grundvoraussetzung für erfolgreiches Mentales Training ist der Glaube an sich selbst und an seine Fähigkeiten.

Ziel eines Mentalen Trainings unter professioneller Anleitung ist es, Blockaden aufzulösen und das Denken in positive und konstruktive Bahnen zu lenken. Grundlage dafür muss zunächst das Erkennen und Formulieren der eigenen Situation, der eigenen Fähigkeiten sowie der eigenen Ziele sein. Der Mentaltrainer hilft dabei, sich diese klar vor Augen zu führen. Im Rahmen des Trainings wird der Teilnehmer jedoch in die Lage versetzt, selbstständig seine Kräfte zu realisieren, zu fokussieren und so sein eigenes Potential zu erschließen.

Wesentlich ist, dass in das Training nicht nur der Geist, sondern auch der Körper einbezogen wird. Beide müssen im Einklang sein, damit ihre Kräfte gebündelt und auf das gleiche Ziel gerichtet eingesetzt werden können. Dieser ganzheitliche Ansatz spiegelt sich auch in den Techniken wider, die im Mentaltraining verwendet werden.

Einsatzbereiche



Mentales Training wurde vor einigen Jahren noch in die Ecke der Esoterik gedrängt. Über den (heute unverzichtbaren) Einsatz im Sport hat es eine Akzeptanz in nahezu allen Anwendungsfeldern gefunden, in denen es um persönliche Weiterentwicklung, Veränderung, Zielerreichung und Leistungsoptimierung geht. Es existiert ein breit gefächertes Angebot an Mentaltrainern und ihren Einsatzgebieten; gleichzeitig wächst das Repertoire an unterschiedlichen Methoden, die im Mentalen Training eingesetzt werden. Die klassischen Anwendungsbereiche sind:

Persönlichkeitsentwicklung: Hier kann Mentales Training allgemein helfen, Zugang zu den eigenen Ressourcen zu bekommen, sich seiner Fähigkeiten immer mehr bewusst zu werden, um sie anschließend auch gezielt zur Lösung von allgemeinen Lebensthemen sowie zur Erreichung von Zielen einzusetzen.

Wirtschaft: Mentales Training im Business dient der Erreichung von beruflichen Zielen, zur Motivationssteigerung, zur Etablierung des Team-Spirits und der synergetischen Ausrichtung von gemeinsamen Energien eingesetzt werden. Eine besondere Bedeutung kommt gerade in den letzten Jahren dem Bereich der Stressreduktion zu. Mit der inflationären Nutzung des Begriffs „Burnout“ entstanden am Markt – die Nachfrage bestimmt das Angebot – immer mehr mentale Konzepte zur Burnout-Prävention.

Sport: Insbesondere bei Spitzensportlern ist Mentaltraining maßgeblich für ihre Vorbereitung und ihren Erfolg. Oft werden im Training 100 mal und mehr spezifische Bewegungsabläufe trainiert und visualisiert – im Wettkampf, in der Leistungssituation sind sie plötzlich nicht abrufbar. Das sind tragische Momente, denn grundsätzlich ist der Sportler zur Peak Performance fähig. Die Ursachen können vielfältig sein. Das könnte z. B. am fehlenden Selbstbewusstsein im Wettkampf liegen („... die anderen tollen, prominenten Spitzensportler etc. ...“) – hier sind die Fähigkeiten zwar vorhanden, die eigene Blockade im Ego verhindert jedoch, dass die Leistung in der Situation gelebt werden kann. Frustration ist die Folge. Gleiches geschieht oft nach Verletzungen – hier verhindert eine mehr oder weniger unbewusste Angst alles an Potential im Wettkampf abzurufen –Selbstschutzfunktionen versuchen das Schlimmste zu verhindern.

Gesundheitsprävention: Vor allem in den letzten Jahren boomt der Markt im Bereich Gesundheit – mit der Folge, dass sich auf diesem Sektor auch viele Mentaltrainer tummeln. Hier bewegt sich unter Umständen der Mentaltrainer auf dünnem Eis, denn Heilbehandlung ist ihm rechtlich untersagt. Die Angebote reichen von Gewichtsreduktion, Körpertraining über Rauchentwöhnung bis hin zu spezifischen Ernährungsformen. So muss sich verantwortungsvolles Mentaltraining sauber abgrenzen von medizinischer und psychotherapeutischer Diagnostik und darf keine Ziele der Heilbehandlung verfolgen. Rechtlich zulässig sind Interventionen, die zu einer selbstwirksamen Lebensführung und somit zu einem eigenverantwortlichen Lifestyle-Management hinführen.

Gerade hier kann Mentaltraining einen wichtigen Beitrag innerhalb der Kommunikation des „Systems Mensch“ leisten. „Geist und Körper”, so erkannte schon Aristoteles, „reagieren mitfühlend aufeinander: Eine Veränderung im Zustand des Geistes bewirkt eine Veränderung in der Gestalt des Körpers und umgekehrt.” Körper, Immunsystem, Gehirn, Psyche, soziales Umfeld - alles ist eng miteinander verbunden. Der Mensch ist mehr als Anatomie, Physiologie oder sogar Psychosomatik und Molekularbiologie. Was er genau ist, vermögen wir bis heute noch nicht zu sagen. Eins steht jedoch fest: Gute Gesundheit hängt von guter Kommunikation ab - Kommunikation zwischen den Zellen, zwischen den Organen und Funktionssystemen des Organismus, zwischen Individuum und Umwelt, zwischen Geist und Körper. Persönliche Haltung, Glaube, Lebenswille werden - gerade im Lichte der neueren psycho-neuro-immunologischen Faktoren - immer wichtiger. „Jede Menge Sport treiben, Alkohol meiden und vor allem, alles was dick macht” liest man in zahlreichen Ratgebern. Eine ganze Generation "joggt den Krankheiten davon" mit der Folge, dass viele ihr Leben eher vermiesen anstatt es zu genießen. All das bleibt vergebliche Mühe, wenn der Mensch dabei in freudlose Selbstdisziplin verfällt. Psychologie und Medizin haben sich lange Jahre auf krankmachende Faktoren konzentriert und darüber vergessen, wie sehr Genuss, Freude und Vergnügen zur Gesundheit beitragen. Gesundheitsvorsorge muss daher nicht in freudlose Selbstdisziplin oder Selbstkasteiung verfallen. Es geht darum, die vielen möglichen Anlässe für gesunde Genüsse im Alltag zu finden – Ernährung, die mit Genuss zu tun hat, Bewegung, die Spaß macht, vielleicht sogar der ein oder anderen kleinen Alltags-Sucht mit Maß und Genuss zu frönen.

Ein weiterer Fokus liegt auf dem Lebenssinn. Die klassische Frage, wenn ein Patient zum Arzt oder Therapeuten geht, lautet: „Was stimmt mit ihm nicht? Was sind die Symptome?“ Das Mentaltraining stellt andere Fragen: „Was ist bei diesem Menschen in Ordnung? Über welche besonderen, individuellen Ressourcen verfügt er? Wie kreativ und kooperativ ist er? Gibt es ein Leitmotiv, einen Traum in seinem Leben, der vielleicht verschüttet und vergessen ist? Welche Kräfte kann er mobilisieren - und wie können diese Kräfte eingesetzt werden? Wie müsste es aussehen, damit er bedauert, dass der Tag nur 24 Stunden hat? Was hindert ihn daran, dieses Leben zu führen? Was müsste geschehen, damit er morgens voller Vorfreude auf den Tag aufwacht?“ Bei all diesen Fragen geht es um Aktivität, um Vitalität und Lebensfreude. Es geht um die ureigensten Wünsche, Potentiale und um den individuellen Lebensplan. Dann bedeutet Gesundheit, dem eigenen Lebensplan, der eigenen Vision zu folgen.

Pädagogik: Methoden wie Superlearning sind in den letzten Jahren in ihrer Blütezeit: Das bedeutet, Mnemotechniken, Lernen unter Berücksichtigung der Wahrnehmungskanäle, kreative Lehrmethoden, wie Mindmapping, Nutzen des Alpha-Zustandes, um Wissen besser abspeichern zu können, Aktivierung beider Gehirnhälften beim Lernen, Techniken aus der Suggestopädie, wie Lernkonzerte oder Lernspaziergänge. All das macht Pädagogik effizienter und lebendiger, aber es darf dabei nicht vergessen werden, dass Kinder keine Lern- oder Leistungsmaschinen sind. Diese Methoden müssen abgestimmt sein auf die Ressourcen, den individuellen Rhythmus und die Persönlichkeit des Lernenden.