Methoden des Mentaltrainings

Welche Methoden nutzt das Mentale Training?

Mentaltraining ist grundsätzlich methodisch in viele Richtungen offen. Das hat den Vorteil von großer Variabilität und enormer Methodenvielfalt. Gleichzeitig öffnet es aber auch Tür und Tor zu unseriösen und zweifelhaften Angeboten. Wenn Klienten versprochen wird, nur über positives Denken ließen sich Probleme lösen und Ziele erreichen, entsteht die Gefahr, dass der Klient die rosarote Scheinwelt der Realität vorzieht und sich immer mehr in sie vergräbt. Das hat zur Folge, dass sich daraus sogar pathologische Zustände entwickeln können. Beispielhaft steht hierfür die Situation einer Frau, die von einem Coach ausschließlich mit einer Fülle an positiven Affirmation für alle Problembereiche ihres Alltags zugepflastert wurde. Sie hatte Konflikte mit ihrem Mann, mit ihren Kindern, extreme Probleme mit ihrem Chef und finanzielle Sorgen. Ihre Affirmationen lauteten: „Ich lebe in einer wundervoll harmonischen Beziehung zu meinem Mann, Ich führe ein friedvolles und liebevolles Leben mit meinen Kindern, Ich genieße meine Arbeit in einem wertschätzenden Umfeld, Ich führe ein Leben in finanziellem Überfluss, etc.“ Schon nach einigen Tagen der regelmäßigen Anwendung (sie platzierte zusätzlich überall im Haus Post-It´s mit diesen Sprüchen) verfiel sie in einen nahezu depressiven Zustand. Kein Wunder – standen doch die Affirmationen in direktem Gegensatz zu der aktuellen Lebenssituation. Die Affirmationen liefen zwar auf der bewussten Ebene, das Unterbewusstsein ließ sich jedoch nicht täuschen. Es kam somit zu einem Spannungsfeld zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Dieser Konflikt führte zu dem starken Stimmungstief.
Seriöses Mentaltraining nutzt methodisch solche Interventionen, die den Klienten erst zunächst dort abholen, wo er steht, um ihn dann verantwortungsvoll auf seinem Weg zu begleiten, der ihn zu einem Ziel führt, das auch realistisch ist.
Die Kernmethoden der klassischen Arbeit in diesem Bereich sind dabei die „Holy 10 des Mentaltrainings“:
1) Visualisierung und Imagination: Vorstellung ist für unser Gehirn real; bei Visualisierungen und Imagination werden die gleichen neuronalen Netzwerke aktiv, wie in gelebten Situationen. Allein die Imagination in eine saure Zitrone zu beißen führt bei den meisten Menschen zu einer Veränderung der Mimik und zu Speichelfluss. Genau da setzt die Arbeit mit inneren Vorstellungen an. Nicht jede Person kann bildhafte Dinge gleich gut imaginieren. Deshalb macht es Sinn nicht unbedingt von Visualisierungen auszugehen, sondern vielmehr von der individuellen Art der Vorstellung, die ein Klient hat. Bei manchen Personen liegt der Schwerpunkt dabei eher auf einer Körperempfindung, andere haben eher einen Zugang über auditive Signale. Manche Menschen imaginieren eher passiv - sie brauchen die externe Begleitung, die sie durch die Vorstellungswelt hindurch führt, andere imaginieren aktiv – bei ihnen laufen innere Bilder oder Vorstellungen nahezu von selbst ab, und der Mentaltrainer hilft über verbale Techniken und Fragestellungen die größtmögliche Kraft frei zu setzen. Sonderformen der Visualisierung sind Parabeln und Metaphern (Märchen, Fallgeschichten, Storytelling, etc.) Sie können über die Einstreutechnik sanft und unbewusst ins Gespräch eingeflochten werden oder gezielt sogar in Rollenspielen umgesetzt werden. Phantasiereisen hingegen werden gezielt in einem leichten Entspannungszustand durchgeführt. Diese (einfachen oder auch komplexen) Imaginationsübungen dienen dem Auftanken, der Zielerreichung, der Entspannung, der Problemlösung sowie der Organ- und Muskelmanipulation.
2) Einsatz von Entspannungsverfahren: Entspannungstechniken haben im Mentaltraining eine besondere Bedeutung. Früher wurde meist der Alphazustand angestrebt – das Wissen um neuronale Wirkungsweisen in Verbindung mit spezifischen Hirnwellen zeigt jedoch, dass es wesentlich wirkungsvoller ist, die für das Ziel der Arbeit spezifisch wirkungsvollsten Hirnwellen anzusteuern. So liegen Alpha-Wellen in einem Bereich von 7 – 13 Hz. Sie helfen bei der Konzentration, bei innengerichteter Aufmerksamkeit und sorgen für Regeneration der Neurone. Beta-Wellen zwischen 13 und 32 Hz sind die klassischen Alltagsfrequenzen. Hier ist die Aufmerksamkeit eher nach außen gerichtet. Ein enorm wichtiger Bereich, der erst in den letzten Jahren Aufmerksamkeit erlangt hat, ist der Gamma-Bereich bei 40 Hz. Er ist essentiell für die Konzentration. Bei wichtigen Erkenntnissen synchronisiert sich unser Gehirn genau in diesem Frequenzbereich. Die Gamma-Frequenz wird auch mit einem zwinkernden Auge als „Erleuchtungsfrequenz“ bezeichnet. Wissenschaftler haben bei meditierenden Mönchen im Zustand der tiefsten Meditation genau diese Frequenz messen können – der Körper war extrem entspannt und der Geist maximal wach und fokussiert. Der Delta-Bereich zwischen 0,5 und 4 Hz ist die Schwingung, die sich beim Schlaf zur Regeneration ganz von selbst einstellt. Von Theta sprechen wir bei Frequenzen von 4 – 7 Hz. Sie werden häufig mit dem Aha-Effekt in Verbindung gebracht, wenn die Kreativität am größten ist. Ebenso lässt Theta sich bei tiefer Meditation messen. Interessanterweise wird vermutet, dass eine Kooperation zwischen Gamm und Theta die Leistungsfähigkeit des Kurzzeitgedächtnisses positiv beeinflussen kann.
Aus dem Wissen um die Hirnfrequenzen erwächst ein gezielter Umgang mit den unterschiedlichen Formen der Entspannung im Mentalen Training. In der aktiven Entspannung geht es um intensive körperliche Anstrengung. Die Konzentration liegt dabei auf dem Körper, kognitive Prozesse werden weitgehend ausgeblendet; es dient der geistigen Frische und fördert die Bereitschaft zur Höchstleistungen. In der leichten Entspannung findet eher eine Innenschau statt wobei der Fokus auf Wahrnehmung und Achtsamkeit liegt. Oft erleben Praktizierende eine leichte Veränderung der Zeitstruktur begleitet von mentalen Assoziationsketten, einer Folge innerer Gedankenbilder. Die gezielte Entspannung im eigentlichen Sinn (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Alpha-Trancen) fördert mentale Beruhigung, Kreativität und Konzentrationsvermögen. Ein regelmäßiges Praktizieren kann zur Kreativitätssteigerung und zur Stärkung der Intuition führen.
Klassische Entspannungstechniken sind Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Atemtechniken. Die Meditation ist eher auf ein „Nichts“ gerichtet, es findet keine Innenschau statt, vielmehr findet durch eine Fokussierung von Körper, Geist und Seele eine Verbindung vom inneren Selbst und der äußeren Welt statt, und unser gesamtes menschliches Potential wird aktiviert. Der Körper ist sehr entspannt und der Geist wach und klar. Wie neueste Untersuchungen zeigen, ist das in der Meditation entfaltete gesundheitsförderliche Potential offenbar größer, als bisher angenommen. So hilft Meditieren nicht nur Asthmatikern, Dialyse- und Transplantationspatienten, bei Angststörungen oder psychosomatischen Erkrankungen, es hat auch präventive Wirkungen: Meditierende werden deutlich seltener krank als nichtmeditierende Mitbürger - und beanspruchen viel weniger medizinische Leistungen. Wie eine schwedische Studie zeigt, ist die Wahrscheinlichkeit für jemanden, der regelmäßig meditiert, faktisch 150 bis 200 mal geringer, psychiatrisch versorgt werden zu müssen. Die tiefe Entspannung dient dem Imaginations- und Suggestionstraining und kann in hypnotischen Zuständen mit kaum bemerkbarem Ich-Bewusstsein, geringem Willenskonzept und minimaler Persönlichkeitsempfindung münden. Gerade hier braucht es ein hohes Maß an Kompetenz, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein. Die stabile Entspannung findet oft reflektorisch im Schlaf oder Tagtraum statt. Es ist ein natürlicher, unbewusster Prozess, der begleitet ist von psychischer und physischer Trägheit. Gerade bei Schlafdefiziten nicht pathologischer Art kann Mentales Training helfen wieder zu guten Regenerationsprozessen zurück zu finden. Viele Menschen bevorzugen jedoch die indifferente Entspannung. Sie lässt sich auch als „Bier-Couch-Chips“ Entspannung bezeichnen. Sie passiert jeden Abend in vielen Haushalten vor dem TV - Geist und Körper sind zwar entspannt und inaktiv, aber da das gesamte menschliche Potential vergeudet wird, ist es auch die am wenig effizienteste und ungünstigste Form der Entspannung.

3) Arbeit mit Suggestionen und Affirmationen: Suggestionen (von lat. suggere = einreden, einflüstern) sind mentale Beeinflussungen, die als Fremdsuggestion oder Autosuggestion eingesetzt werden können. Sie dienen der Erzeugung einer dynamischen Veränderung am System Mensch mittels Hervorrufen einer bewussten oder unbewussten Vorstellung, dass jene Veränderung stattfindet, bereits stattgefunden hat oder stattfinden wird.
Suggestionen sind an das Unterbewusstsein gerichtet und sollen den Menschen in seine Ressourcen bringen.
Bei der Formulierung von Ressourcen sollte darauf geachtet werden, dass sie in der Gegenwart formuliert, positiv, in sich stimmig, klar und eindeutig sind. Sie können direkt oder indirekt formuliert werden. Sie sollten realisierbar sein und auf eine Handlungskonsequenz abzielen. Suggestionen lassen sich verstärken durch das Ansprechen und Integrieren aller Sinneskanäle, durch Wiederholungen und das Ansprechen der Gefühle. Im Gehirn wird dabei ein Prozess der Langzeitpotenzierung ausgelöst. Suggestionen müssen der Persönlichkeit des Patienten entsprechen, also individuell angepasst sein. Sie dürfen sich niemals widersprechen, da das Unterbewusstsein sonst in einen Konflikt gerät und es dem Klienten als Folge dieses inneren Widerstreites später auch körperlich schlecht gehen kann.
Die Wirkung von Suggestionen ist von mehreren Faktoren abhängig. Sie hängt zum Beispiel stark vom Rapport (gute Beziehung zum Klienten) und der Person des Mentaltrainers ab. Seine innere Haltung, seine Überzeugung in die Methode und Einstellung den Ressourcen und der Veränderungsfähigkeit des Klienten gegenüber spielen eine wesentliche Rolle. Form und Inhalt der Suggestion müssen auf das Wesen des Patienten abgestimmt sein. Die Wirkung von Suggestionen hat weniger mit der Tiefe der Trance, als mit dem Potential des Klienten zu tun.
Letztlich hängt die Wirkung natürlich auch von der Suggestibilität des Klienten ab. Eine Faustformel sagt: rund 25 Prozent der Menschen sind überhaupt nicht suggestibel, 50 Prozent durchschnittlich und 25 Prozent stark suggestibel.

Welche Macht aktive Suggestionen haben können, lässt sich dem nachfolgenden Katalog entnehmen. Bei den einzelnen Punkten handelt es sich um wissenschaftlich abgesicherte Auswirkungen von Suggestionen, die in Trance gegeben wurden:

• Beeinflussung der Tätigkeit aller Drüsen, des Blutzuckerspiegels, des Magensafts, der Schilddrüse sowie des Schwitzens.
• Beeinflussung der willkürlichen und unwillkürlichen Muskeltätigkeit, wie Erzeugung von Bewegungsabläufen unter suggestivem Einfluss
• Veränderung des Blutdrucks

• Auslösung von Reflexen wie: beispielsweise Niesen, Husten oder Wasserlassen
• Suggeriert man einer Versuchsperson, sie trinke, so führt das zwangsläufig zu vermehrter Harnausscheidung, und zwar hat der Harn genau die Zusammensetzung, die das suggerierte Getränk erzeugen würde

• Beliebiges Hervorrufen, Unterdrücken und Verfälschen von Sinneseindrücken
• Steigerung der im Wachzustand vorhandenen Sinnesempfindlichkeit um mindestens das zwei- bis dreifache
• Schmerzbeeinflussung, Wärmeregulation, Erzeugung von Wärme- und Kältegefühlen 

• Beeinflussung des Denkens, Bewusstseins, Erinnerungsvermögens sowie der Stimmung. Die Beeinflussung des Erinnerungsvermögens reicht von der kompletten Amnesie bis zur Erinnerung an die kleinsten Einzelheiten lange zurückliegender Ereignisse 

• Beeinflussung sämtlicher Triebe


Eine Sonderform der Suggestion ist die Affirmation (affirmare = verfestigen bestätigen). Es handelt sich dabei um bejahende und unterstützende, formelhafte Sätze, Bilder oder Auslösehandlungen, die suggestiv auf Menschen wirken.
Akustisch können sie vom Mentaltrainer eingegeben, auf CD gesprochen werden, oder der Klient kann sie sich in regelmäßiger Wiederholung selbst sagen. Visuell fungieren Headlines, Bilder oder Symbole als Anker, die an einer bestimmten Stelle des Raumes positioniert werden, damit sie ständig im Sichtfeld des Klienten sind. Die Positionierung als Bildschirmhintergrund auf Computer, Tablet oder Smartphone ist eine modernere Variante. Haptisch reicht diese Form der Arbeit von der klassischen Auslösehandlung (Becker-Faust) über das kreative Gestalten eines Symbols bis hin zu rituellen Verwandlungsaktionen (Altes loslassen und verbrennen, etwas Neues, Ziele oder Wünsche dem Wind oder dem Wasser übergeben, etc.).
4) Der Einsatz visuell-motorischer Übungen hat insbesondere im Sport eine besondere Rolle. Dies geschieht durch intensives körperliches Einüben komplexer Bewegungsabläufen verbunden mit der optimalen Visualisierung derselben. Zu Beginn werden die Handlungssequenzen in kleine Teilschritte aufgefächert. Diese Teilschritte werden durch das visuell-motorische Training perfektioniert und dann wieder zu einem komplexen Handlungsstrang zusammengefügt. Einfachere Varianten sind motivationssteigernde und selbstverstärkende Auslösehandlungen, wie die berühmte „Beckerfaust“ oder das „Klose-Salto“.
5) Ferner sind Konzentrationsübungen essentieller Bestandteil des Mentalen Trainings. In allen Bereichen, in denen Fähigkeiten auf den Punkt abgerufen werden müssen (das reicht von Prüfungssituationen, über berufliche Spitzenleistung bis hin zu Sportarten) spielt die Konzentrationsfähigkeit eine signifikante Rolle.
6) Dem Stressmanagement kommt gerade in der heutigen Zeit ein besonderes Gewicht zu. Burnout ist in aller Munde. Hier bietet Mentales Training mit seinem Portfolio ein breit gefächertes Instrumentarium zur Prophylaxe und weist Wege aus den Belastungssituationen heraus, hin zu einem erfüllten Leben in Balance von Herausforderungen und Ressourcen. Gerade die mittlerweile inflationäre Verwendung des Begriffes Burnout zeigt aber auch die Verantwortung eines Mentaltrainers, zu wissen, ob es sich „nur“ um eine Überbelastung handelt, die er gut begleiten kann oder ob der Klient unter einer Depression leidet. Hier endet der Weg des Mentalen Trainings und die Arbeit gehört in Hände von qualifizierten Therapeuten.
Stressmanagement ist auch essentieller Bestandteil aller Trainingsbereiche (Sport, Lernen, berufliche Anforderungen, etc.), in denen es um Spitzenleistung geht. Die Kunst ist es, die Anspannung im gesunden Stressbereich (Eustress) zu halten und nicht in ungesundes Stresserleben (Dystress) abzugleiten. Während Eustress Spitzenleistung fördert, kann Dystress sie blockieren.

7) Gutes Mentales Training sollte immer auf das Selbstmanagement des Klienten ausgerichtet sein. Dabei geht es um Eigenverantwortung, Zugang zu den Ressourcen des Klienten, erhöhen der Selbstwirksamkeit, Lösungsorientiertheit und letztendlich um intrapersonales Vertrauen. Nach getaner Arbeit und erzieltem Erfolg sollte sich in erster Linie der Klient auf die Schultern klopfen können.

8) Mentales Training ist nicht nur fokussiert auf geistige Übungen. Das „System Mensch“ ist derart komplex, dass für das Erreichen von Spitzenleistungen ein ganzheitliches Energiemanagement betrieben werden muss. Dies bedeutet eine umfassende Ressourcenorientierung auf körperliche, psychische, soziale und ökologische Faktoren. Dabei zählen Fragen, wie: „Hat die Person eine optimale Schlafqualität, wie ernährt er sich, hat er ressourcenvolle Lebensgewohnheiten, lebt er in einem kraftbringenden sozialen und ökologischen Umfeld?“ Menschen verfügen über unglaublich viele Ressourcen, und es macht Sinn diese in den Trainingsprozess einzubinden.

9) Arbeit mit inneren Antreibern: Erfahrungen aus der Jugend und Kindheit prägen das Erwachsenenleben. Die Amerikaner Kahler und Capers haben fünf grundlegende innere Mentalprogramme herausgearbeitet, die sie als Antreiber und Blockierer bezeichnen:
Sei immer perfekt! Dies verlangt Perfektionismus und Vollkommenheit von mir und von den anderen. Es ist ein Aufruf zur Überexaktheit – Toleranz tritt in den Hintergrund.
Mach immer schnell! Diese Aussage fordert, immer alles rasch und schnell zu erledigen. Es ist ein Weg in Hektik, Stress und Distanz.
Streng Dich immer an! Alles definiert sich nur über Leistung und Fleiß. Die Botschaft dabei ist, dass nicht das Resultat, sondern die Leistung zählt.
Mach es immer allen recht! Der andere ist immer wichtiger, als ich selbst. "Dem Frieden zuliebe" steht im Vordergrund. Der Auftrag ist, friedlich und freundlich zu sein. Es ist aber auch eine Vermeidung vor Konflikten und davor, eigene Bedürfnisse anzumelden.
Sei in jeder Lage stark! Dies heißt, sich keine Blöße geben, Vorbild sein. Es geht um Heldentum um jeden Preis und beinhaltet die Warnung davor, Gefühle zu zeigen und auch mal schwach zu sein.

Antreiber sind meist unbewusste Strategien, die im Leben auch Vorteile mit sich bringen. In der Regel prägen sie auch individuelle Stärken heraus, aber oftmals entstehen Problem nicht durch Defizite sondern durch die Übertreibung von Stärken. Jemand der meint, immer stark sein zu müssen, wird wahrscheinlich genau durch dieses Muster in der Überforderung landen. Übersteigerter Perfektionismus kann dazu führen, Dinge nie zu Ende zu bringen oder zu hohe Erwartungshaltungen zu haben. Entscheidend ist in welchem Kontext ein Antreiber wirkt und ob er bewusst als Stärke gelebt wird oder unbewusst seinen Dienst verrichtet. Von einem Gehirn-Chirurgen wünscht man sich, dass er zum Zeitpunkt der Operation idealerweise den Antreiber „Sei perfekt“ hat, während er am offenen Gehirn operiert. Geht der gleiche Mensch mit Freunden Skifahren, kann er auch mal „5 gerade sein lassen“. Antreiber sind somit „Fluch und Segen“ zugleich. Der Mentaltrainer kann an dieser Stelle mit seinem Klienten herausarbeiten, welchen Nutzen der Antreiber heute noch für ihn hat, inwieweit er die Wahrnehmung der gegenwärtigen Situation verzerrt und was die Vor- und Nachteile einer bedingten Einhaltung des Antreibers sind und was die Bedingungen dafür sein müssen. Als Gegenpol wird ein „Erlauber“ gewählt – im Falle „Sei stark!“ kann es „Ich kann auch mal Schwäche zeigen.“ sein, und dann wird mit beiden Mentalprogrammen gearbeitet, um sie immer adäquater bewusst im Leben einzusetzen. Dabei werden klassische Langzeit-Affirmationen genutzt aber auch spezifische Techniken zur Glaubenssatzveränderung.

10) Gedankenkontrolle - „Energy Follows Attention!“ Unsere Gedanken folgen oftmals einem Autopiloten. Wir nehmen bestimmte Geschehnisse wahr, bewerten sie, und das führt zu entsprechenden Gefühlen und Stimmungen. Die bewusste Arbeit mit genau diesen inneren Bewertungen kann die Qualität dieser Stimmungen beeinflussen. Gerade wenn die Bewertungen zu unangenehmen Gefühlen führen, liegt das an irrationalen Bewertungen, die wir vorgenommen haben. Diese haben gemein, dass sie in der Regel unwahr, generalisierend, unlogisch und übertreibend sind. Sie führen zu Selbstvorwürfen bis hin zu Verbitterung und enden nahezu immer in negativen Gefühlslagen wie Angst und Belastung. Sie stellen keine produktive Hilfe zur Erreichung der eigenen Ziele dar. Oftmals führen sie zu einer negativen Bewertung der Zukunftsaussichten oder sogar der Welt. Hier kann mentales Training dazu eingesetzt werden, diese unproduktiven Mentalprogramme durch rationale Bewertungen zu ersetzen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie wahr, logisch, in sich stimmig und nicht absolut sind. Sie spiegeln eher eine wünschende Grundhaltung wider und führen zu gemäßigten Gefühlen, die nicht belasten oder blockieren. Rationale Bewertungen lassen die Freiheit, Ziele angst- und vorurteilsfrei zu verfolgen und erlauben auch Risiken einzugehen. So hatte ein Mann in einem Gewichtsmanagement-Programm sich zum Ziel gesetzt in einer Woche 3,5 Kilogramm abzunehmen. Er hatte Urlaub und wollte die Zeit optimal mit extrem viel Ausdauer- und Kraftsport und bestmöglicher Ernährung mit viel Eiweiß für sich nutzen. Sein Freund – der auch an diesem Programm teilnahm – hatte sich 1,5 Kilogramm zum Ziel gesetzt. Nach einer Woche standen beide auf der Waage. Der Freund hatte ganz unambitioniert aber doch erfolgreich 2,5 Kilogramm abgenommen. Bei dem Urlauber zeigte die Waage 0,5 Kilogramm mehr an. Er war extrem enttäuscht: „Ich schaff das nie! Ich bin ein Versager! Das Programm taugt nichts! Ich werde immer übergewichtig bleiben!“ Er wusste nicht, dass Muskelmasse schwerer ist als Fett. Er hatte in dieser Woche bis an seine Grenzen trainiert, sich optimal ernährt und nicht berücksichtigt, dass er dadurch zwar Fett abgebaut aber auch Muskeln aufgebaut hatte. Somit hat er auf der Verhaltensebene bestmöglich gehandelt, nur die Waage war ein denkbar schlechter Indikator diesen Erfolg abzubilden. Nach den entsprechenden Interventionen durch den begleitenden Trainer kam er zu neuem Bewertungen, die in der Erkenntnis mündeten den Grundumsatz des Körpers erhöht und damit einen optimalen Erfolg erzielt zu haben. Aus Verbitterung wurde Freude, Stolz und Motivation für weitere Schritte. Letztendlich geht es immer wieder um einen mentalen Mechanismus, den Rollo May folgendermaßen formuliert hat: „Wirkliche Freiheit besteht darin, zwischen Reiz und Reaktion einen Moment inne zu halten, um die Reaktion selbst zu bestimmen.“
Darüber hinaus bedient sich das Mentale Training auch aus Baukästen anderer spezifischer Methoden, wie NLP (Neuro Linguistisches Programmieren), Klopftechniken (EFT), Transaktionsanalyse, Elementen der Gestaltarbeit, Hypnose, Teilearbeit (Ego State), Positive Psychologie. Alles, was dem Weltbild des Klienten entspricht und die Zielerreichung fördert sowie dem Kompetenzfeld des Mentaltrainers entstammt, kann eingesetzt werden.
An dieser Stelle wirft sich natürlich die Frage nach dem Einsatz seriöser Techniken und Verfahren auf und wie diese eingesetzt werden. Methoden sollten immer auf die Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit eines Klienten bezogen sein. Nur schöne Wunschbilder zu generieren in der Hoffnung, diese werden sich von selbst erfüllen oder die Erwartungshaltung, der Trainer oder die Methode werden es schon richten sind mehr als fahrlässig. Die größte und entscheidende Kraft liegt immer im Klienten selbst. Auf die Aktivierung dieser Ressourcen sollte verantwortungsvolles Mentaltraining ausgerichtet sein. Daraus resultieren zwei Schlüssel zum Empowerment im Mentaltraining. Der erste Schlüssel liegt im Umgang mit Fehlern. Bei hoch ambitionierten Menschen haben Fehler oftmals keinen Platz. Dabei sind sie wichtige Lern-Chancen. Michael Jordan sagte dazu: „Ich habe über 9000 Würfe in meiner Karriere verfehlt, mehr als 300 Spiele verloren, 26 Mal ist mehr der Spielentscheidende Wurf überlassen worden, und ich habe versagt. Ich habe immer wider und wieder Fehler in meinem Leben gemacht – das ist der Grund, warum ich so erfolgreich geworden bin.“ Dabei geht es aus Sicht des Mentalen Trainings nicht darum, gezielt Fehler zu machen oder vermeidbare zu zu lassen – es geht darum, jeden Fehler nur einmal zu machen, dann daraus zu lernen, um beim nächsten Mal erfolgreicher zu sein.
Des weiteren geht es um das Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen. Jeder Mensch verfügt über individuelle Stärken und Fähigkeiten. Diese gilt es, gezielt zu nutzen und einzusetzen. Manche Personen vergleichen sich permanent mit anderen und schauen (oft neidvoll) auf das, was diese können und sie nicht. Das ist vermutlich der sicherste Weg in Demotivation und Scheitern. Hier hilft der Mentaltrainer fokussiert die Stärken seines Klienten herauszuarbeiten und gezielt einzusetzen. Die Postive Psychologie nach Martin Seligman hat interessante Instrumente dazu entwickelt, angefangen von kleinen Übungen für den Alltag, um sich täglich auf seine Stärken zu konzentrieren und sie sich immer wieder bewusst zu machen bis hin zu komplexen, Internet-gestützten Tests (Values in Action, www.charakterstaerken.org).
Darüber hinaus gibt es noch einige entscheidende Aspekte im Mentaltraining, insbesondere, wenn es um Spitzenleistungen geht. Das sind die „Top 5 der Peak Performance“.
1) Jeder Trainierende sollte die eigenen Grenzen kennen. Das geschieht nur dann, wenn er behutsam manchmal auch über diese Grenzen hinausgeht. So entwickelt sich eine eigene Wahrnehmung und vor allen Dingen auch eine Sicherheit im Umgang mit diesen Grenzen. Das wiederum ist die Voraussetzung, um sie in einem gesunden Maße zu erweitern.
2) Wenn eine Person in einer Disziplin gut werden will, sollte er sich die bestmögliche Instruktion angedeihen lassen. Dies zielt auf die Auswahl des besten Lehrers, Coaches und Trainers ab sowie auf die zu Grunde liegende Didaktik. Hier zahlt sich Qualität aus.
3) Entscheiden für langfristigen Erfolg ist die Lust am Training und der Wiederholung. Wenn ein Mensch sich Tag für Tag mit Druck gegen seinen inneren Schweinehund motivieren muss, ist das Scheitern vorprogrammiert. Wenn er hingegen das umsetzt, was er gut und gerne macht, entsteht eine Sogwirkung, die ihm ungeahnte Motivation und Kraft verleiht.
4) Steht am Ende des Vorhabens ein großes Ziel, braucht es die Kunst der kleinen Schritte. Wirkliche Meisterschaft in einer Disziplin geht behutsam in kleinen „baby-steps“ voran. Diese werden durch bewusstes Training verinnerlicht und dann unbewusster, fester Bestandteil der eigenen Kompetenz, bis daraus die komplexe Expertise wird.
5) Dabei ist es enorm wichtig, das eigene Ziele im Auge zu behalten. Durch Veränderungen im Leben kann es nötig sein, sie notfalls neu justieren. Ziele verschaffen Motivation, Klarheit, Sicherheit, und es lassen sich die nötigen Maßnahmen sowie deren Sicherstellung ableiten, um zum Erfolg zu gelangen.